Schweizer Weltackernde an der ersten interkontinentalen Weltackerkonferenz
Bereits zum vierten Mal kamen am ersten Märzwochenende Weltacker-Initiativen aus Europa und darüber hinaus zusammen, um voneinander zu lernen, die Bildungsarbeit weiterzuentwickeln und gemeinsame Schritte für die Zukunft zu planen. Erstmals reiste auch eine Teilnehmerin aus dem Globalen Süden an.
Aus der Schweiz nahmen elf Personen teil. Neben Vertreter*innen der Weltäcker Nuglar, Attiswil, Bern und Zürich sowie der Geschäftsstelle Weltacker Schweiz war auch eine Person aus Graubünden dabei, wo derzeit Abklärungen für einen fünften Schweizer Weltacker laufen. Insgesamt vereinte die Konferenz fast 30 Initiativen aus sieben Ländern, wobei sie mit beinahe 60 Teilnehmenden weit grösser als vergangene Treffen war. Erstmals wurde sie zweisprachig – deutsch und englisch – durchgeführt. Der mehrsprachige Austausch machte deutlich, wie stark die Bewegung wächst – und wie wichtig der Dialog über Grenzen hinweg für eine erfolgreiche Bildungsarbeit für nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung ist.

Von Kenia bis Innsbruck: Neue Perspektiven für die Landwirtschaft
Gemeinsam mit zahlreichen Initiativen aus Innsbruck starteten wir unsere Konferenz mit einer öffentlichen Auftaktveranstaltung: rund 100 Menschen strömten ins Haus der Begegnung Innsbruck. Unter dem Titel „Hunger im Überfluss“ beleuchteten die Rednerinnen und Redner die Ungleichheiten unseres globalen Landwirtschafts- und Ernährungssystems.
Ein Höhepunkt des Wochenendes war die Präsentation von Mercy Ambani vom Seed Savers Network aus Gilgil, Kenia. Dank finanzieller Unterstützung der Stiftung Edith Maryon via Weltacker Schweiz konnte sie als erste Vertreterin eines Weltacker aus dem Globalen Süden an der Konferenz teilnehmen. Für das Publikum war es spannend, ihre Perspektive kennenzulernen und zu erfahren, wie in Kenia 2000 m² grosse Äcker ganze Familien ernähren können und beim Weltacker ganz direkt das Sichern der Lebensgrundlagen im Zentrum steht.

Fakten, Missstände, Lösungen: Experten sprechen Klartext
An der öffentlichen Auftaktveranstaltung im «Haus der Begegnung» erfuhr das Publikum aber auch von Weltacker-Gründer Benedikt Härlin und vom emeritierten Professor für Agrarsoziologe Markus Schermer eindrucksvoll Fakten und Missstände der internationalen und österreichischen Landwirtschaft. Ein Abriss rund um Themen wie Hunger und Fehlernährung, Klimawandel und Höfesterben machten deutlich, welch umfassende Wende unsere Ernährungssysteme brauchen. Um diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe anzugehen, ist die Bildungsarbeit der Weltäcker ein wichtiges Puzzlestück.
Wie diese in Europa aussehen kann, erzählte Claudia Sacher vom Innsbrucker Weltacker, der als “klassischer” Weltacker die aktuelle globale Landwirtschaft abbildet. Interessant für die Weltackernden war auch zu erfahren, welcher Ansatz auf dem Osnabrücker Weltacker verfolgt wird: Hier wird nach der Planetary Health Diet angebaut, wie Saja Schreiber präsentierte. So demonstriert der Weltacker, wie eine Zukunftsversion unserer Ernährung aussehen könnte.
Die Weltäcker im Austausch
Am Samstag und Sonntag konnten sich die Vertreter*innen der Weltäcker dann intensiv untereinander austauschen. In Arbeitsgruppen entwickelten wir neue Ideen für die Bildungsarbeit, teilten Erfahrungen und diskutierten, wie wir uns zukünftig noch besser als Bewegung organisieren und stärken können.


Zum Abschluss unserer Konferenz besuchten wir den noch winterschlafenden Weltacker in Innsbruck – ein beeindruckendes Projekt mitten in der Stadt. Hier wird in einmaliger Weise mit der ganzen Nachbarschaft gearbeitet und der Weltacker zu einem wahren Ort der Begegnung.
Vom Treffen sind die Beteiligten mit neuen Ideen, frischer Motivation und manch einem Arbeitsauftrag in ihre eigenen Projekte zurückgekehrt. Wir bedanken uns speziell bei der feld:schafft Innsbruck für die Unterstützung der Organisation und bei Jasper Jordan, der als Koordinator der internationalen Weltacker-Bewegung mit unermüdlichen Einsatz die Fäden für die Konferenz in der Hand hielt.
